Rollenspiel

„Denn das Rollenspiel ist das Herz des Psychodramas“ (Krüger/Stadler)

Bild: J.L. Moreno mit BüsteMoreno ist zu seiner genialen Entwicklung des Psychodramas über seine Rollenspiele mit den Kindern und seine Arbeiten mit dem Stegreiftheater gekommen. Die zentrale Bedeutung der ROLLE für das Handeln und Leben der Menschen wird in seinen Zitaten deutlich: „Aber der Mensch sehnt sich danach, weit mehr Rollen zu verkörpern, als jene, die ihm im Leben zu spielen gestattet sind.“

"Der springende Punkt ist, wie man Rollen vitalisieren und verändern kann, wie man zu einem ‚Rollenveränderer’(role-changer) und ‚Rollenspieler’(role-player) wird. Diese Zielsetzung erfordert das Entdecken einer neuen Methode, der Technik des Rollenspiels.“

 

„Im Leben haben die Rollen Lücken, die zu jeder Zeit durch die Spontaneität der Individuen, die sie verkörpern, gefüllt werden können. Das Leben ist ein lebendiger Fluss, und so müssen Techniken für das Leben Spontaneitätstechniken sein ...“

„Rolle kann definiert werden als die aktuelle und greifbare Form, die das Selbst annimmt... Jede Rolle ist eine Fusion persönlicher und kollektiver Elemente. Jede Rolle hat zwei Seiten, eine persönliche und eine kollektive Seite.“ (Moreno)

„Der Stützpunkt des Spielers ist nicht mehr die Rolle, welche in eine Summe von Worten zerfällt, sondern die Spielidee...“

Diese Zitate von Moreno können wohl so interpretiert werden, dass für ihn Rollenspiel Leben und Leben Rollen spielen bedeutet. Spielen ist gleichzusetzen mit der Fähigkeit, in einer konkreten Situation spontan und kreativ zu handeln, individuell und sozial stimmig. Psychodramapsychotherapie ist der bekanntere Bereich der Methode Psychodrama, Psychodrama beschäftigt sich aber mit allen Handlungsfeldern und Lebensbereichen der Menschen. Spielen, im psychodramatischen Sinn, begleitet unser Leben von der Wiege bis zur Bahre. Spielen/handeln mit oder in Rollen. Manchmal nehmen wir uns bewusst wahr in unseren Rollen, manchmal wird uns mitgespielt, manchmal spielen wir mit.

Der Säuglingsforscher Martin Dornes beschreibt Interaktionen mit Babys treffend. ,… ich sehe, dass du spielen und dich mit mir unterhalten willst, und ich begrüße die Art und Weise, in der du dieses Bedürfnis zum Ausdruck bringst. “ (Dornes 1998, S.13

Der Focus richtet sich dabei auf das Miteinander im Spiel und bestätigt Morenos Auffassung, dass jegliches menschliche Handeln ein Handeln in Interaktionen, und dass die kleinste soziale Einheit nicht das Individuum, sondern das Individuum in seinem sozialen Atom ist (Moreno, S. 93 f.).

 

Ziele von Psychodramatischen Rollenspielen:

• Reflektieren von eigenen und fremden Verhaltens- und Handlungsmustern

• Kennenlernen eigener Ressourcen und Grenzen in unterschiedlichen Situationen

• Veränderung von Verhaltensmustern und Handlungsabläufen

• Erweiterung individueller Handlungskompetenzen

• Linderung von Gefühlen der Hilflosigkeit und Unsicherheit

• Reduzierung von Gefühlszuständen wie Ängsten und Befürchtungen

• Entwicklung von Empathie durch das Spielen von bislang fremden Rollen

• Erfahrungen, die andere gemacht oder beschrieben haben, im Spiel nachempfinden

• Experimentieren mit Teil-Identitäten

• Heilung im Kontext rituellen Handelns (Stadler S.174)

• Psychohygienischer Effekt

• Freude an Rollenerprobung und Rollenerweitung

• Kreativitätsförderung

 

Diese Erkenntnisse decken sich mit den Forschungsergebnissen der neurobiologischen Gehirnforschung. Rollenspiel ob in eigener Rolle oder in einer anderen lässt neuronale Netze des Gehirns wachsen und fördert die Plastizität des Gehirns und regen Flexibilität und Kreativität an. Rollenspiele fördern die emotionale, soziale und sprachliche Entwicklung nicht nur von Kindern und Jugendlichen.

VerfasserIn: Mag. Helmut Haselbacher und Mag. Maria Stockinger

Literaturhinweise

Dornes, Martin (1998): Die frühe Kindheit, Frankfurt/Main Krüger, Reinhard (2008): Rollenspiel im Psychodrama, Zeitschrift für Psychodrama und Soziometrie 2 Stadler u. Spörrle (2008): Das Rollenspiel, Versuch einer Begriffsbestimmung, Zeitschrift für Psychodrama und Soziometrie2 Moreno, Jakob L.(1972): Psychodrama, Beacon

 

 

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